Bürokauffrau/Bürokaufmann

Das Berufsbild

Bürokaufleute erledigen kaufmännisch-verwaltende und organisatorische Tätigkeiten innerhalb eines Betriebes, einer Behörde oder eines Verbandes und achten darauf, dass die betrieblichen Informations- und Kommunikationsflüsse reibungslos funktionieren. Dieser Ausbildungsberuf wird vor allem in der kaufmännischen Verwaltung im Handel, in der Industrie, im Handwerk und in öffentlichen Verwaltungen benötigt. Hierbei haben Bürokaufleute hauptsächlich die folgenden Aufgaben zu erledigen:
- Aufträge und Rechnungen bearbeiten
- Zahlungsein- und -ausgänge überwachen
- Personalverwaltungstätigkeiten vornehmen und Entgeltabrechnungen durchführen
- Lagerverwaltungsarbeiten erledigen
- Aufgaben in der Finanzbuchhaltung und in der Betriebsabrechnung ausführen
- Termine planen und überwachen
- Kaufmännischen Schriftverkehr erledigen
- Freundlichen Umgang mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern pflegen

Hierzu sind eine gute Auffassungsgabe sowie solide Fähigkeiten, sich mündlich und schriftlich auszudrücken, erforderlich. Für ihre tägliche Arbeit benötigen sie gute Kenntnisse der Rechtschreibung und Grammatik sowie ein gutes Zahlenverständnis. Fundierte Kenntnisse in einer Bürostandardsoftware (z.B. Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme) werden erwartet.

Bürokaufmann-/frau ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) mit 3-jähriger Ausbildung im dualen System der Berufausbildung. Seit einigen Jahren ist für die beiden Büroberufe Bürokaufmann/-frau und Kaufmann/-frau für Bürokommunikation eine Neuordnung geplant. Nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen zwischen den Tarifparteien und den zuständigen Ministerien wird die Neuordnung wahrscheinlich ab dem Schuljahr 2011/12 in Kraft treten.

Mit dieser Neuordnung soll an die Qualitätsstandards der geltenden Ausbildungsordnungen angeknüpft werden. Es geht insbesondere darum, eine gute Akzeptanz dieses neu zu schaffenden Berufs in den Bereichen der Wirtschaft und Verwaltung zu erreichen. Die in der Ausbildung zu erwerbenden Kompetenzen sollen prozess- und aufgabenorientiert anhand beruflicher Lernsituationen erlangt werden.

Die Organisation an der Berufsschule

An unserer Schule, der BBS Wirtschaft I, erlernen vorrangig Auszubildende aus Klein- und Mittelbetrieben in Ludwigshafen und der näheren Umgebung den Querschnittberuf Bürokaufmann-/frau. In allen drei Ausbildungsjahrgängen besuchen jeweils ca. 50-60 Auszubildende die beiden Fachklassen in Teilzeitform an zwei Berufsschultagen pro Unterrichtswoche mit jeweils 8 und 4 Unterrichtsstunden.

Das Unterrichtsangebot umfasst Pflichtfächer und Wahlpflichtfächer. Der Pflichtunterricht gliedert sich in den berufsübergreifenden Unterricht (Deutsch, Sozialkunde, Religion und Sport) und in den berufsbezogenen Unterricht auf der Basis des jeweils gültigen Rahmenlehrplans. Der Rahmenlehrplan (siehe Übersicht unten) enthält die Unterrichtsfächer für die Berufsschulen, die in diesem Berufsbild vermittelt werden sollen.

In den folgenden Dateien können Sie wichtige aktuelle Informationen für die laufende Organisation einsehen und herunterladen:


Wünschen Sie weitere Informationen? Dann lesen Sie weiter:

(1) Rechtliche Grundlagen:
Verbindliche Grundlage für die Arbeit der Berufsschule ist der Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Bürokaufmann/-frau vom 29. Mai 1991, welcher mit der Verordnung über die Berufsausbildung abgestimmt ist.

(2) Didaktische Konzeption:
Ziel der Ausbildung ist eine breit fundierte Handlungskompetenz mit den Fähigkeiten zum Denken in Zusammenhängen, Flexibilität, Genauigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Beruflich handlungskompetent sind die Auszubildende dann, wenn sie über ein Instrumentarium verfügen, mit dem sie berufstypische Problemstellungen selbstständig bewältigen können. Die jungen Menschen sollen zu selbstständigem Planen, Durchführen und Beurteilen von Arbeitsabläufen im Rahmen ihrer künftigen Berufstätigkeit befähigt werden.
Handlungskompetenz – hier verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit des einzelnen, sich in gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Situationen sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten, entfaltet sich in den Dimensionen von Fachkompetenz, Humankompetenz (Personalkompetenz) und Sozialkompetenz. Methoden- und Lernkompetenz erwachsen aus einer ausgewogenen Entwicklung dieser drei Dimensionen. Diese Kompetenzen werden im berufsbezogenen Unterricht in den Lerngebieten (berufsbezogenen Fächern)
- Allgemeine Wirtschaftslehre
- Spezielle Wirtschaftslehre
- Rechnungswesen
- Informationsverarbeitung
- Datenverarbeitung
- Textverarbeitung erworben. Die modernen Informations- und Kommunikationstechniken haben dabei für den Ausbildungsberuf einen zentralen Stellwert. Neben einem selbständigen Lerngebiet Informationsverarbeitung mit den Schwerpunkten Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sind die modernen Informations- und Kommunikationstechniken auch anwendungsbezogene Bestandteile der anderen berufsbezogenen Lerngebiete.

(3) Übersicht über die Rahmenstundentafel
Der Rahmenlehrplan enthält die Unterrichtsfächer, Lerngebiete, Lernziele und Lerninhalte für die Berufsschulen, die in diesem Berufsbild vermittelt werden. Sofern es die personellen und organisatorischen Bedingungen der jeweiligen Berufsschule zulassen, orientiert sich der Berufsschulunterricht an der Rahmenstundentafel des Landes Rheinland-Pfalz für den jeweiligen Ausbildungsberuf. Bei den Lerngebieten handelt es sich um thematische Einheiten mit berufsbezogenen Schwerpunkten.

Stundentafel gemäß Rahmenlehrplan
FachStunden1. Jahr2. Jahr3. Jahr
1. berufsübergreifend
- Deutsch
- Sozialkunde
- Religion
- Sport
(2)
(3)
(3)
(0)
1
1
1
-
1
1
1
-
-
1
1
-
(8)332
2. berufsbezogene Lerngebiete
- Allgemeine BWL
- Spezielle BWL
- Rechnungswesen
- Datenverarbeitung
- Textverarbeitung
(6)
(5)
(7)
(2)
(5)
2
1
3
-
2
2
2
2
1
1
2
2
2
1
2
(25)889
3. Wahlpflichfächer
- IV-gestützte Auftragsbearbeitung oder
- Englisch
-
-
1
1
1
1
(2)-11
Summen35111212

In der Allgemeinen BWL sollen die Auszubildenden das Verständnis für Aufgaben der Wirtschaft im Rahmen eines Staates und den Einblick in weltwirtschaftliche Gegebenheiten und Zusammenhänge gewinnen. Sie sollen lernen, die erworbenen Kenntnisse und Einsichten auch aus den unterschiedlichen Interessenlagen der Konsumenten und Produzenten, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie des Bürgers und Politikers zu beurteilen. Daher sind einzel- und gesamtwirtschaftliche Kenntnisse für die Ausübung des Berufes sinnvoll und notwendig. Die zu behandelnden Themengebiete umfassen die Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung, die Grundlage des Wirtschaftens und Rechtsformen der Unternehmen. Daneben werden die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Abschließen von Verträgen, die betrieblichen Funktionsbereiche Beschaffung, Leistungserstellung, Absatz, Finanzierung einschließlich Zahlungsverkehr und Investition vermittelt. Abschließend werden Grundlagen von Steuern und Versicherungen, Wirtschaftordnung und Wirtschaftspolitik behandelt.

Im Fach Spezielle Betriebswirtschaftslehre geht es um Arbeitsabläufe, Gestaltung von Arbeitsraum, -platz und -zeit und die Aufbauorganisation von Betrieben. Daneben werden Themen aus der Personalwirtschaft, Auftragsabwicklung und Lagerhaltung behandelt. In Absprache mit dem Lerngebiet Informationsverarbeitung werden die Bedeutung von Kommunikationssystemen und der Einsatz der Datenverarbeitung erarbeitet.

Im Fach Rechnungswesen vermittelt die Berufschule Kenntnisse und Fertigkeiten in der Erfassung, Aufbereitung und Auswertung von Informationen zur Planung, Steuerung und Kontrolle betrieblicher Vorgänge. Dies beinhaltet die Grundlagen der Buchführung, Rechnungslegung und Kosten- und Leistungsrechnung.

Im Fach Textverarbeitung werden die Grundlagen in der Bedienung eines Textprogramms erarbeitet. Darauf aufbauend werden Geschäftsbriefe und andere Dokumente normgerecht erstellt. Dabei wird die Funktion von Textbausteinen und die Anwendung von Serienbriefen für ausgewählte betriebliche Situationen am PC erlernt.

In Datenverarbeitung lernen die Berufsschüler neben einem Überblick über Aufbau und Funktion von Datenverarbeitungssystemen schwerpunktmäßig anhand von betrieblichen Situationen die Nutzung eines aktuellen Tabellenkalkulationsprogramms am PC kennen.
Neben dem berufsbezogenen Bildungsangebot werden im Wahlpflichtunterricht alternativ die Wahlpflichtfächer IV-gestützte Auftragsbearbeitung und Englisch angeboten.

Im Wahlpflichtfach IV-gestützte Auftragsbearbeitung werden für ausgewählte betriebliche Situationen mit Hilfe von Powerpoint Präsentationen erstellt und mit Hilfe von EXCEL Lösungen entwickelt. Die Kundenauftragsführung wird anschaulich als funktionsübergreifenden Geschäftsprozess modelliert und mit Hilfe der Standardsoftware Navision bearbeitet.

Das Wahlpflichtfach Englisch wird je nach Leistungsstand und Wunsch der Berufsschüler als Basiskurs oder als Kurs zum Erwerb der Fachhochschulreife angeboten. Falls Berufsschüler in Englisch den Fachhochschulreifekurs gewählt haben, wird ihre Note für das Berufsschulzeugnis um eine Notenstufe angehoben.

(4) Abschlusszeugnis der Berufsschule und Abschlussprüfung bei der zuständigen Kammer (IHK oder HWK)
Am Ende der Ausbildung, sofern diese mit Erfolg abgeschlossen wird, bekommen die Bürokaufleute ein Abschlusszeugnis der Berufsschule. Das Zeugnis enthält die Leistungen der allgemein bildenden Fächer und Wahlpflichtfächer aus dem letzen Ausbildungsjahr sowie die Leistungen der berufsbezogenen Fächer aus allen drei Ausbildungsjahren. Die Noten berufsbezogener Fächer werden in einer Durchschnittsnote für das Fach Berufsbezogener Unterricht zusammengefasst. Für die Ermittlung der Durchschnittsnote des Abschlusszeugnisses der Berufsschule wird das Fach Berufsbezogener Unterricht sechsfach und alle anderen Fächer einfach gewichtet. Nach dem Berufsbildungsgesetz kann der Prüfling diese Durchschnittsnote auf Antrag in seinem Kammerabschlusszeugnis eintragen lassen.

Im Rahmen des dualen Berufsausbildungssystems legen die Bürokaufleute die Abschlussprüfung bei der zuständigen Kammer (IHK, HWK) ab. Laut Ausbildungsordnung gibt es die folgenden Prüfungsfächer:

Schriftliche Prüfung
- Bürowirtschaft (60 Minuten)
- Rechnungswesen (90 Minuten)
- Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)

Praktische Prüfung
- Informationsverarbeitung (105 Minuten)   1. Aufgabe: Textverarbeitung   2. Aufgabe: Buchführung und Personalwesen  3. Aufgabe: Bürowirtschaft und Statistik
- Mündliche Prüfung in Auftragsbearbeitung und Büroorganisation